Innovation Watch - Pseudo-Brainstorming V: How Aha! Really Happens

In seinem Artikel "How Aha! Really Happens" in der Winter 2010-Ausgabe der Zeitschrift "strategy+business" stellt William Duggan, Professor an der Columbia Business School, die Behauptung auf, dass die meisten Ansätze für Kreativität im Unternehmen - inklusive Brainstorming - von einem veraltetem Modell über die Funktionsweise des Gehirns ausgehen. Und zwar von dem von Roger Sperry entwickelten Modell über die beiden funktionell unterschiedlichen Gehirnhälften: Die rechte Hälfte ist verantwortlich für Kreativität und Intuition, die linke Hälfte für Logik und Analytik. Also sollte man für Kreativität möglichst die rechte Gehirnhälfte "ausschalten" und der linken Hälfte den Vorrang geben. Leider hat sich das Modell als nicht ganz korrekt herausgestellt...

Neuer Forschungsansätze über das "Intelligent Memory"-Konzept zeigen, dass die Einteilung in die zwei funktionell unterschiedlichen Gehirnhälften wohl nicht der Realität entspricht, sondern dass bei der Kreativität Intuition und Analytik zusammenspielen. Das neue Modell basiert daher auf dem Lernen, Abrufen und Kombinieren von Gedächtnisinhalten. Der Clou der Kreativität liegt also darin, bestehendes Wissen aus unterschiedlichen Kontexten neu und kreativ zu kombineren - ähnlich wie ich es in meinem Buch "Anleitung zum Uninnovativsein" anhand des Beispiels von Archimedes mittles zweier Ebenen beschrieben habe. Dieses Beispiel basiert auf dem Modell der "Bisoziation" aus dem Buch "The Act of Creation" (deutsche Ausgabe: "Der Göttliche Funke") von Arthur Koestler - ein Buch, das leider zu Unrecht derzeit "out of print" ist.

 

Als eine bessere Methode zur Steigerung der Kreativität schlägt Duggan daher eine Matrix vor, die bei GE zum Einsatz kommt und die mich - sofern ich sie richtig verstanden habe - an den Morphologischen Kasten erinnert. In dieser Matrix wird das Problem in Teilprobleme zerlegt, denen mögliche Lösungsansätze gegenübergestellt werden. Aus diesen können dann Kombinationen gebildet werden. Der Autor erwartet jedoch, dass weitere Methoden auf Basis der neuen Erkenntnisse enwtickelt werden und dass diese nach und nach die (ver)alte(te)n Methoden ersetzen werden: "The race is on, and to the winner go the spoils."

 

Unter folgendem Link finden Sie den Artikel als pdf-Format: www.strategy-business.com/media/file/sb61_10405.pdf

Kommentar schreiben

Kommentare: 0